Künstler
Magische Realisten

Aktaj Alirsajev
1961 in Dagestan, Rußland geboren;
1979 -84 Besuch der Kunstfachschule in Dagestan, Diplom;
1991 -98 Besuch der Repin-Kunstakademie in St. Petersburg, Diplom.
Mich, genau wie viele andere Künstler auch, ziehen die Klänge der Aquarellfarben auf weißem Papier an, ihre Entwicklung von den feinen, leichten und transparenten bis hin zu den tiefen und übersättigten Schattierungen. Ich bin begeistert von der Beweglichkeit der Motive, von den unendlichen Möglichkeiten, eine Komposition zu arrangieren und der daraus folgenden Freiheit zu improvisieren und immer wieder Neues zu entdecken. In der leisen Welt der leblosen Dinge, die jeglichen äußeren Einflüssen entzogen sind, finde ich, was ich so an der Stilllebenmalerei liebe und mit all meinen Kräften darzustellen versuche. Ich habe ein großes Interesse an allem, was meine Umgebung bildet und ich versuche durch meine Arbeit eine umfassende und sensibilisierte Wahrnehmung meiner Umwelt zu erlangen. Unterstützt werde ich dabei durch die Aquarellmalerei als solche, in welcher die Objekte transparent und unfassbar erscheinen und dadurch viel von ihren materiellen Eigenschaften verlieren.

Sergej Archipov
1962 in Mukaschino, Russland geboren;
1974 -78 Besuch der Kunstfachschule in Kurgan, Diplom;
1983 -87 Anstellung bei der Kunstfachschule in Kurgan als Graphiklehrer;
1987 -93 Besuch der Repin-Kunstakademie in St. Petersburg, Diplom.
Ich bilde die Gegenstände niemals so ab, wie sie erscheinen. Sie symbolisieren den Ausgangs-punkt für ein Nachdenken über die Beschaffenheit der Realität, die als solche nicht abgebildet, sondern ausschließlich durch Verstand und Technik geformt werden kann. Dieses Verfahren ist für mich wie ein Spiel und es bereitet mir ungeheuer große Befriedigung, wenn ich die Schwierigkeiten, die dem Medium der Aquarelltechnik zugrunde liegen, überwinde. Manchmal benutze ich einen weißen Hintergrund, weil ich diesen als neutralen Raum sehe, der es mir erlaubt, Dreidimensionalität auf der Bildfläche zu verwirklichen. Der Eindruck eines Stilllebens kann mit dem Klang eines Kammerorchesters verglichen werden, in dem jedes Instrument seinen Teil zur gesamten Harmonie beiträgt. Genau dieses will ich mit meiner Arbeit erreichen, weil ich glaube, dass Harmonie die einzig mögliche Art des Daseins ist, welche die Menschheit anstreben sollte.

Sergej Botnarjuk
1965 in Moldowa geboren;
1976 -83 Besuch der Republik-Kunstfachschule in Kischenev, Diplom;
1988 -97 Besuch der Repin-Kunstakademie in St. Petersburg, Diplom.
In meine Arbeiten versuche ich eine erhöhte Wahrnehmung der tatsächlichen Eigenschaften der Stoffe und Substanzen
einzubringen. Die Auswahl meiner Motive, die Handlung, das Thema; Die Besonder-heiten, die jeder Gegenstand in sich trägt - das alles ist ein lebendiger Dialog zwischen mir und der Natur, der durch
die Aquarellmalerei und ihre technischen Möglichkeiten nur verstärkt werden kann. Meine Motive sind aus den vielfältigen Spielarten der Natur herausgelöst, um somit das Zentrum für die Betrachtung
über eben diese zu werden. Die Zerlegung der Objekte und ihre Befreiung aus Zusammenhängen und Beziehungen versuche ich mit uneingeschränkter zu erreichen. Der Gegenstand kann sich somit als ein Teil
einer universellen Logik offenbaren. Das Wesentliche des Stilllebens liegt meiner Meinung nach in der Auswahl der Gegenstände und im Verhältnis, welches der Künstler zu
diesen hat, und durch diese Beziehung sollen auch die Menschen meine Arbeiten sehen. So wähle ich meine Motive keinesfalls nur als Vorwand, um meine technischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen,
sondern vielmehr, um der mikroskopischen Struktur der Dinge auf den Grund zu gehen.

Juri Bulgarin
1964 in St. Petersburg geboren;
1980 -84 Besuch der Kunstfachschule in St. Petersburg, Diplom;
1984 -92 Besuch der Kunstakademie in Kischinev, Diplom;
1992 -99 Besuch der Repin-Kunstakademie in St. Petersburg, Diplom.
Mir scheint es so, als ob in der kleinen, in sich geschlossenen Welt der Stillleben die Zeit ein-fach stehen
geblieben ist. Dieses Genre vertritt seine ganz eigene Geschichte und Schule von Werten und Kostbarkeiten. Die organische Beschaffenheit der Gegenstände, die tatsächliche Struktur ihrer Oberfläche
kann man nirgendwo sonst so detailliert wahrnehmen und fühlen wie hier. Das Stillleben kann man teilweise mit der Bühne eines Theaters vergleichen: Es ist immer eine Inszenierung. Was das Stillleben
meiner Meinung nach im Unterschied zu anderen Genres nicht verbirgt, ist, dass es in ihm keine
Willkürlichkeiten und Zufälle oder Überladungen von Gegenständen geben darf, weil hier alles überlegt, durchdacht und somit von Bedeutung ist. Meine Kunst lehnt die Flüchtigkeit des Daseins ab: Die
Auswahl wie auch die Komposition der Gegenstände ist für mich ein Schlüssel zum Verständnis der einzigartigen Spiritualität jedes einzelnen von ihnen. Schmetterlinge bereiten unbeweglich ihre Flügel
aus - wie in einer Insektensammlung zur Schau gestellt. Mit Hilfe dieser konzentrierten Vision der Realität denke ich über Geburt, Tod, Wiedergeburt und die versteckte Bedeutung der Welt
nach.

Jusup Chanmagametov
1967 in Dagestan, Rußland geboren;
1981 -84 Besuch der Johanson-Kunstfachschule, Diplom;
1984 -93 Besuch der Repin-Kunstakademie in St. Petersburg, Diplom.
Ich glaube nicht, dass ich jemals wirklich meinen persönlichen Stil gesucht habe. Die Art und Weise, wie ich die Welt betrachte, begleitet mich schon seit meiner Kindheit. Sobald ich für meine Stillleben ein inhaltliches Thema ausgewählt habe, gebe ich jedes Objekt bis in äußerst genaue Details wieder, während ich gleichzeitig versuche, den Geist der frühen Renaissance - ihr geheimnisvolles und symbolisches Wesen - wiederzugeben. Diese bewusste Entscheidung gibt meiner Arbeit oft den Anschein eines „Trompe-l‘oeil“. Jedes Mal, wenn ich ein Aquarell beendet habe, will ich nochmal von vorne beginnen und es auf eine andere Art und Weise überarbeiten, ungeachtet der Zeit, die ich bereits damit verbracht habe.

Galina Davidtschenko
1965 in Arsamas 16, Rußland geboren;
1976 -80 Besuch der Kinder-Kunstschule in Arsamas 16, Abschluss;
1980 -83 Besuch der Johanson-Kunstfachschule in St. Petersburg, Diplom;
1983 -90 Besuch der Repin-Kunstakademie in St. Petersburg, Diplom.
Die Vielfalt der Gegenstände im Alltag ist so groß, daß man sich nur umzusehen braucht, um Ideen für neue
Arbeiten zu bekommen. Ich finde es für die Herangehensweise an meine Arbeit interessanter und spannender, wenn ich in den Objekten die Geschichten suche, die über ihren Besitzer erzählen. Hier liegt
für mich eine größere Herausforderung, als in ihnen nur ihre äußere Form und Beschaffenheit zu erkunden und abzubilden. Im Ergebnis verleiht dieser Prozess meiner Arbeit mehr Bedeutung, sie wirkt auf
mich und den Betrachter sehr viel unterhaltsamer, aber auch persönlicher. Oft schon bin ich gefragt worden, warum ich mich so sehr für die Aquarelltechnik interessiere. Ich antworte immer, daß ich
sie wie ein großes Buch sehe und ich erst auf den ersten Seiten zu lesen angefangen habe. In dieser Technik ist noch so viel unbekannt und voll von neuen Möglichkeiten, daß ich noch unendlich viel
entdecken,
kennenlernen und erreichen kann. Der Weg, diese Technik vollkommen zu meistern, wird möglicherweise mein ganzes Leben lang dauern.

Valerij Esaulenko
1960 in Bijsk, Rußland geboren;
1977 -81 Besuch der Kunstfachschule in Bijsk, Diplom;
1987 -93 Besuch der Repin-Kunstakademie in St. Petersburg, Diplom.
Meine Einstellung gegenüber den Stillleben wird beträchtlich durch die Buchillustration beein-flußt, die ich an der Akademie der Schönen Künste in St. Petersburg studierte. Ich glaube nicht, daß ein Künstler darstellen sollte, was er sieht, ohne es zuerst durch die Gefühle, die sein Innenleben ausmachen, zu leiten. Dieser innere Vorgang gibt seiner Arbeit beides, Gestalt und Bedeutung. Das Bild „Motte und Spinne auf einer Backsteinmauer“ (1994) spielte in meiner Entwicklung als Künstler eine wichtige Rolle wegen seiner Synthese zwischen Malerei an der Staffelei und Graphik Design - eine Richtung, die ich weiter zu erforschen beabsichtige. Es spielt auch auf meine Liebe zur klassischen russischen Literatur an. Zum Beispiel fühle ich eine Verbindung zwischen der vom Schicksal bestimmten Bewegung, die diese Aquarellzeichnung symbolisiert - in der die Spinne es auf die Motte abgesehen hat - und der Atmosphäre in Nabokovs „Invitation To A Beheading“. Wenn ich gefragt werde, welche Reaktion ich auf meine Kunst möchte, antworte ich immer, dass ich hoffe, sie erweckt in der Öffentlichkeit das selbe Gefühl der Verwunderung, welches man erlebt, wenn man eine Muschel an sein Ohr hält und das Rauschen der Wellen hört.

Jurij Iwantschenko
1961 in Swerdlowsk, Rußland geboren;
1980 -84 Besuch der Kunstfachschule in Swerdlowsk, Diplom;
1985-91 Besuch der Repin-Kunstakademie in St. Petersburg, Diplom.
Meiner Ansicht nach ist die wesentliche Bedeutung von einzelnen Gegenständen, der Menschheit und dem Universum
miteinander verflochten, und ich strebe danach, diese Philosophie in allen meinen Aquarellen widerzuspiegeln. Mit der Kombination von gewöhnlichen Dingen will ich die versteckte Harmonie ihrer
zeitlosen Beschaffenheit, den Kampf zwischen Leben und Tod, die Unendlichkeit eines Moments und die Unmittelbarkeit der Ewigkeit ausdrücken. Deshalb ist es wichtig für mich, die Form und Textur eines
jeden Objekts auf der technischen Ebene bis in winzige Einzelheiten zu untersuchen und abzubilden. Das bedeutet jedoch nicht nur eine mechanische Reproduktion der Realität. Vielmehr ist es ein Weg
für
mich, das Wesen natürlicher Phänomene in dem Versuch, meine Gedanken und Gefühle in ihnen zu spiegeln, zu durchschauen. Manchmal erscheint es mir, als ob ich durch den kreativen Prozess einen Zustand
der Meditation erreiche.

Sergej Roshin
1963 in Mabuga, Rußland geboren;
1979 -84 Besuch der Udmursk-Universität, Diplom;
1985 -92 Besuch der Repin-Kunst-akademie in St. Petersburg, Diplom.
Ein Künstler sollte nicht durch Theorie eingeschränkt sein, sondern sein Thema durch persönliche Auswahl und Beherrschung der Technik finden. Meine Aufmerksamkeit wurde durch figurative Malerei und die Dynamik der menschlichen Existenz erregt, bis ich unlängst die ausdrucksvollen Möglichkeiten des Stilllebens entdeckte. Jetzt fühle ich mich von der äußeren Schönheit der Gegenstände, ihrer zugrunde liegenden Logik und der Harmonie ihrer Formen angezogen. Wenn ich ein Stillleben konzipiere, wähle ich solche Gegenstände, die mit meinen Gedanken am ehesten in Einklang stehen und gebe sie höchst detailliert wieder, während ich den anderen ein verallgemeinertes Aussehen gebe. Technisch erreiche ich das durch den Einsatz von Schatten, die ich mit losen, freien Pinselstrichen male. Dadurch erziele ich einen Effekt, der die wichtigsten Elemente meiner Komposition hervorhebt. Meine Arbeit mit Stillleben hat mir einen aufregenden Zeitabschnitt der Entwicklung und des Experimentierens eröffnet.

Oleg Tscheresch
1969 in Moldowa geboren;
1980 -87 Besuch der Republik-Kunstfachschule in Kischenev, Diplom;
1987 -94 Besuch der Kunst-Akademie in Kischenev, Diplom.
Bei meiner Arbeit bin ich ergriffen von einem Bestreben nach Vielfältigkeit, ich versuche, bei der Darstellung meiner Motive die Schönheit,die magische Kraft der Farben und Schatten, die Wiederbelebung der einfachsten Szenen des alltäglichen Lebens mit Bedeutung und in höchster Präzision zu zeigen. Jedes Element einer Komposition trägt dazu bei, die Harmonie einer in sich abgeschlossenen Welt sichtbar zu machen. Meine Einstellung gegenüber den Stillleben ist geprägt von einer Bescheidenheit und Demut vor der Natur, wie man sie selbst in den geringsten Werken des Schöpfers und in allem von Menschenhand errichteten finden kann. Selbst wenn ich schöne Dinge darstelle, möchte ich damit die Menschen zu einer ernsthaften Diskussion über die Bedeutung der Objekte in der Welt verleiten.

Viktor Tscheresch
1965 in Moldowa geboren;
1976 -83 Besuch der Republik-Kunstfachschule in Kischenev, Diplom;
1986 -94 Besuch der Repin-Kunstakademie in St. Petersburg, Diplom.
Das Stillleben ist immer schon ein Ort der kreativen Unabhängigkeit eines Künstlers. In der heutigen Zeit der exakten Technologien und Computergraphiken ist die gründliche und gewissenhafte Natur meiner Kunst in gewisser Weise ein Widerspruch. Sie erinnert mich daran, dass die Möglichkeiten dieses Genres bei weitem noch nicht erschöpft sind. Gleichzeitig kann meine Arbeit jedoch nicht angemessen außerhalb der Zusammenhänge modernen russischen Lebens verstanden werden. In Russland sind die dunklen, bedrohlichen Kräfte an der Arbeit, den kulturellen Betrieb der neuen russischen Gesellschaft herauszufordern. Denn die Menschen suchen in ihren Herzen Klarheit, Besonnenheit und eine spirituelle Reinheit. Mit meinen Werken möchte ich auf meine eigene Art und Weise zu diesem Prozess beitragen. Die Schöpfung meiner Aquarelltechnik verbinde ich mit dem Namen des bedeutenden russischen Regisseurs Andrej Tarkowski. In seinen Filmen erschafft er ein Millieu, welches voller Ideen, Emotionen und Ruhe ist und eine magische Stimmung vermittelt. Übertragen auf die Aquarellmalerei ist es genau diese anziehende Kraft, die ihre Faszination in der Ausarbeitung der Form und der Gegenstände bis hin zur Perfektion hat, die ich einfangen und darstellen möchte.
Galerie Viktor Hansch
